Zum Bericht über die Clubkultur Berlin 2026 fordern Werner Graf, Fraktionsvorsitzender, und Julian Schwarze, Sprecher für Clubkultur, konkrete Schritte des Senats und legen einen 4-Punkte-Plan vor:
Dazu erklärt Werner Graf: „Clubs bedeuten Schutzraum, Lebensfreude und sind Orte der Selbstbestimmung. Und sie sind ein Standortfaktor für Berlin. Berlins Clubkultur stirbt nicht an mangelndem Interesse, sondern unter dem enormen wirtschaftlichen und räumlichen Druck. Der Senat kommt bei der konkreten Entlastung und Standortsicherung nicht aus dem Quark. Wir Grüne fordern eine klare Kehrtwende in der Berliner Kultur- und Stadtentwicklungspolitik.
Wenn nur noch 61 Prozent der Betriebe kostendeckend arbeiten können und fast ein Viertel der Betreiberinnen und Betreiber über eine Aufgabe in den nächsten zwölf Monaten nachdenkt, ist das ein Alarmsignal erster Güte.“
Dazu erklärt Julian Schwarze: „Wer die Berliner Clubkultur als internationales Aushängeschild der Stadt feiert, muss auch für ihre rechtliche, wirtschaftliche und räumliche Existenz einstehen. Wir müssen jetzt handeln, um das kulturelle Herz Berlins langfristig zu schützen.
Die Verschiebung der Einnahmen vom Getränkeverkauf hin zum Eintritt macht den Kulturbetrieb extrem fragil. Steigende Personalkosten, Betriebskosten und gestiegene Grundsteuern belasten die Clubs massiv. Zudem muss der Senat bei der Grundsteuer seine Länderkompetenz nutzen, bis es neue Regeln im Bund gibt. Wenn 85 Prozent der Veranstalter*innen angeben an, dass wirtschaftlicher Druck das Veranstaltungsprogramm verändert, dann droht dadurch Vielfalt verloren zu gehen und kann so die gesamte Clublandschaft beeinflussen.“
Wir Grünen fordern zur Sicherung der Berliner Clublandschaft konkrete Maßnahmen auf Landes- und Bundesebene:
• Verlässliche und langfristige Förderstrukturen: Die reine Projektförderung greift zu kurz. Wir fordern eine dauerhafte Absicherung und Verstetigung des Schallschutzfonds sowie mehrjährige, planbare Förderprogramme. Wir brauchen zudem eine Spielstättenförderung für Clubs. Auch gezielte Förderungen für Barrierefreiheit in Bestandsgebäuden sowie für Awareness-, Inklusions- und Weiterbildungsangebote müssen langfristig verankert werden. Zudem muss Berlin endlich seinen rechtlichen Handlungsrahmen nutzen und die Grundsteuer anpassen, damit es nicht zu übermäßigem Belastungen kommt.
• Rechtliche Anerkennung als Kulturstätten: Clubs sind Orte der Kultur und keine bloßen Vergnügungsstätten. Auf Bundes- und Landesebene muss die baurechtliche Gleichstellung von Clubs mit anderen Kultureinrichtungen konsequent vollzogen werden – mit direkten Konsequenzen für Baurecht, Lärmschutz und Genehmigungsverfahren.
• Flächen sichern und landeseigene Immobilien aktivieren: Clubs müssen systematisch in die Stadtentwicklungs- und Bebauungsplanung einbezogen werden. Landeseigene Flächen und Immobilien sind prioritär für kulturelle Nutzungen zu öffnen. Bei Neubau- und Umgestaltungsprojekten verlangen wir die konsequente Anwendung des Agent-of-Change-Prinzips: Wer neu an bestehende Clubs heranrückt, muss den notwendigen Lärmschutz finanzieren. Zudem braucht es eine Reform des Gewerbemietrechts zum Schutz vor Verdrängung.
• Verwaltungsprozesse vereinfachen und Freiräume schaffen: Die Berliner Verwaltung muss digitaler, effizienter und transparenter werden. Kulturakteurinnen und -akteure benötigen feste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie verbindliche Bearbeitungsstandards. Um den öffentlichen Raum als Ort kultureller Teilhabe zu stärken, müssen zudem die Genehmigungsverfahren für nicht-kommerzielle Free Open Airs berlinweit vereinheitlicht und entbürokratisiert werden.